Engel

 Engel Gibt es jemanden, der noch nie etwas von einem Engel gehört hat? Selbst, wenn man nicht religiös erzogen wurde, kennt man sie, die Engel. Doch was hat es eigentlich genau mit ihnen auf sich?Das Wort 'Engel' bedeutet übersetzt 'Bote', denn sie sind Gottes Gehilfen, und das in vielen verschiedenen Religionen. Im Alten und Neuen Testament der Bibel, werden die Engel nicht beschrieben, es gibt also keine Angaben zum Aussehen und zum Wesen, außer, dass sie den Menschen in Menschengestalt begegnen.Über ihr Aussehen und Wesen erfährt man genau erst etwas in den apokalyptischen Schriften.

Im Gegensatz zum Alten Testament werden die Engel im Neuen Testament eher abwertend dargestellt. Laut Paulus stehen die Engel unter den Menschen. Trotzdem ist es im Laufe der Zeit immer wieder zur Engelverehrung (Angelolatrie) gekommen und trotzdem sind die Engellehren (Angelologie) weiterentwickelt worden.

Mit der Entwicklung der Menschen wird die Existenz der Engel in der Neuzeit in Frage gestellt. Nachdem man sich biblische Texte genauer ansah, wurden Engel zu Mythen der Bibel und verloren für viele Menschen ihre Bedeutung, mit Ausnahme für die, die selbst Erfahrungen mit Engeln gemacht haben.Häufig sehen Menschen Engel, wenn sie dem Tod nahe sind. Sie bringen ihnen Weisung von Gott, die das Leben dieser Menschen entscheident beeinflusst: die Menschen nehmen von nun an alles anderes wahr und sehen eine andere Wirklichkeit, wodurch sie eine Krise bewältigen können. Doch diese Engelerfahrungen sind nie beweisbar.

Es gibt eine gewisse Rangordnung unter den Engel. Ganz unten stehen die Boten, die den Menschen Gottes Mitteilungen überbringen und die Schutzengel.Ganz oben stehen dagegen die Engel, die immer um Gottes Thron versammelt sind und ihn preisen. In der Bibel werden sie z. B. als Wesen mit Löwenleib und Adlerflügeln beschrieben, manchmal auch mit ganz vielen Augen.Durch diese Bilder erkennt man die Pracht im Himmel und die Vielzahl der Arten, wie sie feierlich um Gott versammelt sind.

Engel gehören zur Schöpfung Gottes und sind seine Diener, deshalb sollten sie nicht verehrt werden, aber respektiert und geschätzt.


Lexikondefinition

Engel grch. Boten, momenthafte Verdichtung und Verkörperung einer vom Menschen erfahrenen Macht. Nach der schon im Judentum entstandene Engellehre (Angelologie) sind die Engel hierachisch gegliedert. Eine spätere theologische Einteilung kennt 9 Ordnungen: Seraphim, Cherubim, Throne; Mächte, Herrschaften, Gewalten; Fürsten, Erzengel, Engel. In der Volkfrömmigkeit sind nur Erzengel (7 oder 4: Michael, Gabriel, Raphael, Uriel) und Engel bekannt, letztere besonders als Schutzengel. Engel, die sich gegen Gott empörten, wurden zu Satan und seinen bösen Geistern.Die Engelverehrung (Angelolatrie) ist in der katholischen und orthodoxen Kirche üblich; der Protestantismus und weiterhin auch das Judentum lehnen sie ab.
Religionswissenschaftlich ist darauf hinzuweisen, dass die Engelvorstellung zwei Wurzeln hat: einerseits werden die aus einer Gottheit hervortretenden Potenzen zu Engeln, wie z. B. im Parsismus die aus Ahura Mazda hervortretenden Amesha Spenta. Diese Engel sind dann Stellvertreter der Gottheit, ihre Boten und Mittler. In der Engelvorstellung lebt alter Polytheismus fort, denn Krankheitsdämonen (2. Könige 19,35), Elementargeister des Feuers, des Windes, der Wolken wurden durch monotheistische Umdeutung im Spätjudentum zu Engeln und gingen von da ins Christentum und in den Islam über. Die andere Wurzel der Engelvorstellung ist die vom Menschen und seiner Seelenvorstellung ausgehende Idee des Doppelgängers und Schutz Engels. Beide Vorstellungen sind der erstgenannten Engelvorstellung entsprechende Abspaltungen vom Menschenwesen. Beide Gedanken befinden sich auch im neuen Testament: Apg. 12,15 (Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Sie aber bestand darauf, es wäre so. Sie sprachen: Es ist sein Engel.); Matth. 18,10 (Sehet zu, dass ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel).

Von den Engeln in der Bibel und nach Luther

Nach den Überlieferungen der Bibel ist der Gott Israels und der Vater Jesu Christi kein einsamer, unnahbarer Gott: Gott wird gesehen wie ein Herrscher auf einem Thron, der von mächtigen Cherubim umgeben ist (Jes, 6,1). Engelchöre um seinen Thron pereisen ihn ständig (Ps 148, 2). Die Vorstellung kehrt auch in Jesu Gleichnis vom Gericht wieder: 'Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit und werden vor ihm alle Völker versammelt werden' (Mt 25, 32). In der Offenbarung Johannis erscheinen Gott und das Lamm auf dem Thron 'und alle Engel standen um dem Thron (Offb. 7, 11). Gott sendet Heerscharen aus,
dass sie sich um die Seinen her lagern, um sie zu beschützen (Ps 34, 4),
dass der Erwählte Gottes sich nicht an einen Stein stoße (Ps 91,11),
dass sie im Weihnachtsevangelium seine große verborgene Macht anzeigen (Lk 2, 13)'.

Gott sendet Engel auch als einzelne Boten aus, um Israel aus Ägypten zu führen (2 Mose 23,20), um Elia auf seiner Wüstenwanderung zum Berge Herob zu wecken (1 Kön 19, 5), um Maria und Josef die verminderte Lage in Israrl zu verkünden (Mt 2, 19), um den Propheten Jeaja die Lippen für sein Prophetenamt zu reinigen (Jes 6, 6). Jesus rechnet damit, dass alle Schwachen und Kinder bei Gott einen besonderen Schutzengel haben: 'Ihre Engel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel' (Mt 18, 10).
Das Neue Testament rechnet aber auch mit 'bösen Engeln', die dem Teufel dienstbar sind, aber letztlich doch Gott gehorchen müssen. Im Gleichnis vom großen Gericht heißt es von denen, die kranke nicht geheilt, Hungrige nicht gespeist, Gefangene nicht besucht haben: 'Geht von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.' (Mt 25, 41). Schließlich beschreibt die Offenbarung Johannis den dramatischen Kampf St. Michaels und seinen Engeln, die den alten Drachen und seine Engel aus dem Himmel stürzten: 'Die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt.' (Offb 12, 7 ff.)
Diese biblische Lehre von den Engeln hat in der alten Kirche und im Mittelalter eine große Rolle gespielt. Auf dem Konzil von Laodizea im Jahre 360 musste die Anbetung der Engel verboten werden! Für die Volksfrömmigkeit - vor allem um den Michaelistag - erfuhren die Engel als Mittler zwischen Gott große Verehrung. Die Legenden blühten.

Luther wollte das 'Fest St. Michaelis' wegen der biblischen Lehre von den Engeln ausdrücklich beibehalten, damit bei den Christen ein rechter Verstand von den Engeln bleibt. Er hat darum oft zum Michaelistag geprädigt. Im Glauben an die Engel, sah er eine Hilfe für die Christen, um die Anfechtung bestehen zu können. Verehrung verdienen die Engel nicht, sie können niemanden Sünde vergeben. Sie sind Gottes Boten und Werkzeug. So steht Christus im Mittelpunkt von Luthers Michaelispredigt, der allein der souveräne Helfer im Kampf gegen die Anfechtung ist. Die Engelpredigten tragen ein seelsorgliches Gepräge: alle Anfechtungen kommen von dem Teufel, der die Kinder Gottes von Gott abwenden möchte. Viele stehen dem Teufel arglos gegenüber, kennen nicht seine 'engelhafte', geistige Natur und unterschätzen seine große Macht. Er ist darauf bedacht, Schaden an Leib und Seele zu tun: falsche Lehre, Verzweiflung, böse Lüste. Luther kennt die Erfahrung der Ohnmacht: 'Ich kenne den Teufel wohl, aber ich kann doch nicht so handeln, wie ich will.'

Das Leben des Christen ist von einem ständigen Kampf zwischen Gut und Böse, den heiligen Engeln und dem Teufel gekennzeichnet. So heißt es in Luthers Morgengebet: 'Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.' Gottes Wort und Gebet sind die besten Waffen. Wer sich ihrer bedient, dem stehen die Engel bei. Auch Bitteres und Schweres können zum Besten werden. Davon singen viele Lieder unseres Gesangbuches. Paul Gerhardt (1607-1676) dichtete im Dreißigjährigen Krieg:

Breit aus die Flügel beide,
O Jesu, meine Freude,
Und nimm dein Küchlein ein.
Will Satan mich verschlingen,
so lass die Englein singen:
'Dies Kind soll unverletzt sein'.

In der Gestalt der Engel kann man sich das Wirken des Fernen, unnahbaren Gottes auch ganz in der Nähe, im alltäglichen Leben vorstellen. Es ist darum nicht falsch, wenn Eltern ihren Kindern etwas von Schutzengel sagen. Gott bleibt trotzdem seine Majestät. Den Kindern kann vielmehr deutlich werden, dass sie Welt keine riesige, grausame und gefühllose Maschine ist. Gott liebt das Leben; er will seine Schöpfung erhalten. Die guten Mächte, die guten Mächte, die Gott rufen kann, sind in Wirklichkeit zahlreicher, als man glaubt. Gottes große, aber verborgene Macht kann man an dem Geschehen bei Christi Geburt erkennen. Luther sagt dazu: 'Da erschien zuerst ein einziger Engel von den Hirten, dann aber eine ganze Heerschar von Engeln.' (Lk 2, 20 und 13)

Die Herkunft der Engelvorstellung

Wenn man an Engel denkt, stellt man sich gewöhnlich Wesen vor, die wie Menschen aussehen und zusätzlich Flügel haben. Das ist die Engelvorstellung in unsere Zeit, doch das war nicht immer so.
Die erste Hochreligion, in denen Engel vorkommen, ist die der Suma in Südbabylon, ein paar tausend Jahre vor Christus. Hier liefern die Engel eine Harmonie zwischen dem Himmel und der Erde. Es gab zwei Gruppen von Engeln: die Boten und die, die den Thron Gotten umstehen, also die Cherubim und Seraphim, so wie es auch in der Bibel steht.

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Das Wort Cherub ist aus dem Wort 'carubu' entstanden, was 'segnen' und 'beten' bedeutet. Die Cherubim sind also die Fürbitter der Menschen.
Sie sehen keineswegs menschlich aus, sondern sind Wesen, die wir aus der Erfahrung nicht kennen, wie zum Beispiel eine Mischung aus Mensch und Löwe, aber auch anderen Tierarten. Manchmal haben sie auch sechs Beine, und oft bis zu drei Flügelpaare, mit denen sie ihren Leib vor Gottes Thron bedecken. Oft wurden sie dargestellt, wie sie einen Tannenzapfen und eine Blütenstaubtasche tragen, auf dem Weg, den Baum des Lebens zu befruchten. Eine solche Artenvielfalt gibt es nur im Himmel.Chrubim sind Machtgestalten, die meist feierlich dargestellt werden.

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Die Babylonier kannten auch Dämonen, doch war früher bekannt, dass Dämonen sowohl gut wie böse sein können. Jedem bösen Dämon wurde ein guter gegenübergesetzt. Sie wurden meist als Stier- oder Löwenkolosse dargestellt, also riesig.
Ein Beipiel für gute Dämonen sind Sedu und Lammasu. Sie gewährten Menschen Schutz, sind also Vorläufer unserer Schutzengel.
Auch die griechischen Figuren haben nicht wenig zu unserer heutigen Engelvorstellung beigetragen. Jeder Götterbote verwaltete einen festen Teil der Welt, böse Figuren gibt es hier zunächst gar nicht, es gibt keine Wesenunterschiede zwischen Gott, Dämonen und Engeln. Sie sind die Mittler zwischen Himmel und Erde und müssen den Willen Gottes und seine Gaben mitteilen. So zum Beipiel Hermes, der Gott, Engel und Dämon in einem ist und der Geleiter der Lebenden und der Toten. Weitere Mittler sind Hekate, die Göttin des Weltalls, Iris, die Verkünderin des Friedens und eine Botin von Hera, und Hermes als Bote Zeus.

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Seit der Klassik gibt es in der griechischen Mythologie die Einteilung in Gut und Böse. Dämonen wurden nun auch die Verursacher von Naturkatastrophen, polischem Umschwung, sowie Tod und Krankheit genannt.
Insbesondere haben aber auch die Sirenen zu unserer Engelvorstellung beigetragen, sie wurden geflügelt dargestellt und tragen seit dem 6. - 7. Jh. v. Chr. die Seelen der Verstorben zum Elysion, wie auch die heutigen Engel die Verstorbenen geleiten. So sind es auch weibliche Figuren von großer Schönheit und Lieblichkeit, allerdings meist mit einem Vogelkörper und zusätzlichen Armen.


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Eine weitere Gruppe, die an unserer Engelvorstellung teil hat, sind die Ätrusker. Sie sprechen von einer Unterwelt, in der die Dämonen leben, und von Gottheiten. Sie glauben an ein Leben nach dem Tod. Charun, ein Vorläufer des Teufels sozusagen, herrscht über die Hölle. Das Gegenstück zu Charun bildet Lasa, sie ist schön und mild, der Vorläufer der Engel.

In der jüdischen Vorstellung schließlich, entstehen Engel erst, wenn Gott sie braucht. Das muss man sich so vorstellen, dass sie nicht im Himmel leben, das sie eigentlich nicht existieren, sondern nur auf Abruf des Herren erscheinen, wenn sie gebraucht werden. Diese Boten Gottes kommen wie Menschen auf die Erde und haben keine Flügel. Oft werden sie nicht auf den ersten Blick erkannt, weil sie den Menschen im Aussehen gleich sind.


Weitere Illustrationen

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Quelle: Dr. B. Friederich 'Thesen zum Verständnis des Begriffs 'Engel'' | Großes Modernes Lexikon, Bd. 3, Lexikothek Verlag Bertelsmann | Ev. Erwachsenenkatechismus: Von den Engeln (1977) | Vorlesung Dr. B. Friederich | Bibel | Bild