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Meine Laune führte mich in einen wunderschönen Englischen Garten. Frühling, Sonne, frische Luft … was gab es da besseres als einen langen Spaziergang. Ich ging schon fast eine Stunde umher, als ich plötzlich jemanden auf einer Bank sitzen sah. Ein hübscher junger Mann, in der rechten Hand ein Kugelschreiber, die linke benutzte er als Blatt Papier. Ich konnte nicht anders, ich musste mich neben ihn setzen und versuchte über seine Schulter auf die Hand zu starren.

Junge: Was reimt sich auf rein?
Vana: Öhm… tut mir leid, wie bitte?
Junge: Ein Reim auf rein.

Er schaute mich an, mit seinen hellen, grünen Augen, die mich begierig anstarrten.
Vana: Achso, nagut, wie wäre es denn mit Schein?

Seine Miene hellte sich auf und er begann zu lächeln.
Junge: Genau, das ist perfekt.
Er kritzelte weiter auf seine Hand. Der weile versuchte ich mich wieder zu fassen. Ganz ruhig, dachte ich mir, er ist nur ein hübscher Mensch. Ein hübscher Mensch, der gleichzeitig auch noch Poet war.
Junge: Mein Name ist Scandar.
Er drehte sich zu mir und streckte die Hand aus. Ich schüttelte sie.
Vana: Hey, ich heiße Vana.
Scandar: Vana? Hm … reimt sich auf Fatamorgana. Meinst du das ist ein gutes Zeichen?
Vana: Wenn man es so sieht, nein, dann wohl eher nicht.
Er nickte als würde er mich verstehen und zustimmen. Seltsamer Typ.
Scandar: Meine Oma heißt Luise, darauf reimt sich Kriese. Sie liegt im Sterben. Meinst du es liegt am Namen?
Vana: Nein, schau mal, Luise reimt sich genauso auf Wiese. Und es gibt nichts Schöneres als eine grüne Wiese im Frühling.
Er lächelte und stand auf.
Scandar: Ja, du hast Recht. Ich werd ihr jetzt mein Gedicht vorlesen, wir sehen uns bestimmt mal wieder.
Er rannte los. Ich würde ihn sicherlich bald wiedersehen.


  Von Shiina  Von Shiina
\\\"Gerrak! Machst du etwa schon wieder Pause?\\\" Die wütende Stimme liess Gerrak aufhorchen. \\\"Nein Chef\\\" erwiderte er und stand behäbig von dem am Boden liegenden Baumstamm auf, um auszusehen als würde er arbeiten. Doch sein Chef war nirgendwo zu sehen - vermutlich hatte er nur aus dem fehlenden Lärm geschlossen, dass Gerrak sich mal wieder mit anderem als seiner Arbeit beschäftigte. Brummelnd steckte sich Gerrak den Bleistiftstummel und den Notizblock hinters Ohr, damit sein Chef ihn ihm nicht wieder wegnehmen konnte. Hinter Gerraks Ohr war viel Platz, denn der Teil zwischen den Ohren nahm nicht allzu viel Raum in Anspruch. Oder zumindest behauptete das sein Chef, und der kannte viele Trolle, also musste es wohl stimmen. Nachdenklich bewegte Gerrak seinen kräftigen Körper zum nächsten markierten Baum, lehnte sich dagegen und begann ihn umzustossen. Zwischen den Bäumen hindurch drang jetzt wieder das Geräusch der Säge, mit der ein anderer Troll die umgestossenen Bäume zerlegte. Ob es wohl andere Wesen als Trolle überhaupt mit seinem Chef aushielten? Bei der ständigen Hetzerei wurde ja sogar er manchmal nervös. Nach einigem Schieben und Stossen lag der Baum endlich am Boden, und Gerrak wollte sich schon draufsetzen und seinen Block wieder hervornehmen. Gerade rechtzeitig sah er noch, dass sein Chef zwischen den Bäumen hervorkam. \\\"Gerrak du Faulpelz! Scher dich endlich zum Wagen und hilf aufladen!\\\" keifte der Zwerg. Er reichte Gerrak knapp bis übers Knie, aber Gerrak fand ihn trotzdem recht beeindruckend, wie er mit seiner Axt herumwedelte und dabei geschickt vermied, dass sie sich in seinem meterlangen Bart verhedderte. Und er war schliesslich der Chef, also trollte sich Gerrak, und begann die zersägten Baumstücke auf den bereitstehenden Wagen zu laden. Er war einer der kräftigsten Trolle seines Chefs, deswegen gin
g es immer am schnellsten wenn er mithalf. Begleitet vom Krachen und Knacken der aufeinanderfallenden Holzstücke summte Gerrak das Gedicht vor sich hin, das er vor der Störung seines Chefs auf seinem zerknitterten Block notiert hatte.

\\\"Alle Vögel, klein und gross
haben Platz auf meinem Schoss.
Sie zwitschern und sie singen dann
damit sie jeder hören kann.\\\"

Das Gedicht war den Vögeln gewidmet, die sich immer zu ihm gesellten wenn er Pause machte und sein Brot ass. Sie sassen dann zwar nicht auf seinem Schoss, sondern eher auf seinen breiten Schultern, doch ihm war kein Wort eingefallen das sich auf \\\'Schulter\\\' reimte. Und auf seinem Schoss wäre auf jeden Fall auch genug Platz für Vögel; das ging also auch, wie Gerrak fand. Ausserdem ging es darum, dass es sich richtig anfühlte, und dass die Wörter aneinanderpassten. So wie die Holzstücke, die er jetzt - immer drei auf einmal - auf den Wagen schichtete. Ein Ende des Holzstücks musste immer zum Ende des nächsten Holzstücks passen, nur dann sah es gut aus. Und so war das auch mit Wörtern, die Enden mussten zusammenpassen, damit die Wörter in der Mitte schön hüpften. Das mochte Gerrak am meisten an seinen Gedichten, dass sie auf und ab hüpften und zum Schluss zusammenpassten, wenn man sie aufsagte. Und als er so die Baumstücke passgenau schichtete, fiel ihm plötzlich ein neuer Reim ein. Er liess die paar Klötze fallen und griff nach seinem Notizblock.

\\\"Das Holz das in den Wagen fällt
und dann das Haus zusammenhält,
war grade eben noch ein Bau..\\\"

Doch weiter kam er nicht, denn plötzlich riss ihm jemand das Papier aus den Händen. \\\"Zum Donnerwetter nochmal, hab ich dir nicht gesagt, du sollst mit diesem nutzlosen Gekritzel aufhören und deinen faulen Arsch zum Arbeiten benutzen!\\\" Gerrak sah seinen Chef nur verständnislos an und versuchte sich vorzustellen, wie er mit seiner Kehrseite Holzstücke schichten sollte. Doch dann bemerkte er, dass der Zwerg begonnen hatte, seinen Notizblock zu zerreissen. \\\"Nein Chef! Die Lady hat doch gesagt ich soll das machen!\\\" versuchte er ihn zu beschwichtigen. \\\"Die Lady?\\\" der Zwerg sah verblüfft hoch und hörte einen Moment mit seinem Zerstörungswerk auf. \\\"Welche Lady?\\\" \\\"Na, die Lady in Grün\\\" erklärte Gerrak, erleichtert, dass sein Chef die letzten Zeilen verschonte. \\\"Sie kam vor ein paar Tagen zu mir als ich Pause hatte, und sagte ich soll mein Talent nicht an dumme Zwerge und das Töten von Bäumen verschwenden, sondern die Sachen aufschreiben die mir einfallen. Aber ich kann ja nicht einfach aufhören mit Arbeiten, also mache ich es in der Pause. Aber grade ist mir so ein guter Reim eingefallen.\\\" Er kratzte sich verlegen am Kopf, doch besagter Zwerg hörte längst nicht mehr zu. \\\"Was bildet die sich denn ein!\\\" kreischte er. Die Teile, die nicht von Bart verdeckt wurden, waren dunkelrot angelaufen - ein beeindruckender Farbwechsel, wie Gerrak fand. \\\"Mir ist es scheissegal wer diese Lady ist, aber du bist mein Troll, und ICH sage was du zu tun hast! Also mach dich gefälligst wieder an die Arbeit!\\\" fauchte er, drehte sich auf dem Absatz um und stapfte davon, \\\"wenn ich die erwische..
2;\\" in seinen Bart knurrend. Gerrak zuckte nur die Schultern. In seiner Wut hatte sein Chef den Notizblock fallengelassen und ihn anscheinend vergessen. Seine Gedichte waren also fürs erste sicher. Aber Gerrak nahm sich vor, in Zukunft besser darauf aufzupassen. Denn mit den Gedichten aufzuhören kam nicht in Frage. Dafür mochte er das Hüpfen und Zusammenpassen zu sehr, und das warme Gefühl, wenn ihm ein Reim -richtig- vorkam, weil einfach stimmte was drinstand. Und schliesslich war die Lady in Grün sanft aber bestimmt gewesen, hatte ihm eingeschärft, sein Talent ja nicht zu vergeuden. Und sie hatte Flügel und wunderschön weiches Haar gehabt. Und so einem Wesen schlug man nichts ab, da konnte sein Chef toben wie er wollte. Aber erstmal machte sich Gerrak trotzdem pflichtschuldig daran, die restlichen Baumstücke auf den Wagen zu heben. Den Reim würde er gleich danach aufschreiben, darauf freute er sich schon.
Und etwas abseits, versteckt im Grün der Bäume, stand VanaVanille, die dem Schauspiel lächelnd zugesehen hatte. Jetzt machte sie sich wieder auf den Weg nach Hause; um Gerrak musste sie sich keine Sorgen machen. Der einzige poesiebegabte Troll aller Welten würde nicht aufhören zu dichten. Denn Poesie schert sich nicht um das, was sich zwischen den Ohren eines Wesens befindet. Manchmal reicht es, ein grosses Herz und einen Bleistiftstummel zu besitzen. Und wer könnte das besser wissen als VanaVanille, der Engel der Poesie.