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Meine Geschichte liegt lange zurück, als die Seen noch kristallklar waren und die Berge bis über die Wolken ragten. Das altertümliche China war in dieser Zeit noch sehr friedlich. Es gab keine Kriege, keine Kolonien besetzten die Städte und die Bauern waren mit ihrem Vieh zwischen den Dörfern auf den Feldern unterwegs. Damals waren die die meisten Menschen noch nicht sesshaft und wanderten schon mit jungen Jahren durch das Land. Meist gebildet zu Kriegern, Mönchen oder Dämonenjägern wanderten sie von Dorf zu Dorf, wo sie Rast hielten und sich etwas Münzen für ihre weitere Reise mit kleinen Dienstleistungen, wie meistens Dämonen vertreiben, zu verdienen. Es gab aber auch viele kleine Städte die etwas adeliger und edler waren. Dort gab es Dojos, Klosterfesten, Teehäuser, Theater und große Märkte. Auf den Märkten fanden manchmal Feste statt, wie zum Beispiel das berühmte Drachenfest oder das Kirschblütenfest im Frühsommer. Meine Eltern waren damals, als ich gerade mal 10 Jahre alt war, vom Kaiser festgenommen worden, weil sie ihre Schulden nicht mehr zahlen konnten, seit dem lebte ich bei meinem Großvater. Als er dann nach vier Jahren verstarb, war ich völlig auf mich alleine gestellt. Obwohl ich chinesische Medizin, wie Akupunktur und die Heilkräuterlehre beherrschte und chinesische Teekultur, asiatischen Kampfsport und Meditation, wie Tai Chi oder Kung Fu, ausübte, war ich in der Zivilisation nicht mehr als eine chinesische Fächertänzerin. Mit dem Wissen und Können was mir mein Großvater beigebracht hatte, verdiente ich mir meinen Lebensunterhalt in einem Theater in der Stadt Yang Tse Kiang bis ich 17 war. Danach wurde es in der Stadt zu unruhig, viele Soldaten des Kaisers belagerten des Öfteren den Markt und die öffentlichen Schauplätze. Ich war an diesem Ort nicht mehr sicher und beschloss auszuwandern. Ich ging also mit beschwerlichem Fußmarsch Richtung Küste in die Stadt Hoangho. Dort wurden in einem Shaolin Kloster meine medizinischen Kenntnisse geprüft. Die Mönche beschlossen mich im Kloster als so genannte Medizinerin oder auch Krankenschwester einzustellen. Ich verdiente viel mehr als damals in Yang Tse. Das Kloster war weit oben in den Bergen, wenn ich ins Dorf wollte musste ich immer den Berg hinunter gehen. Ich war mehrere Male am Tag im Dorf, dort war es einfach zu schön. Überall waren Kischblütenbäume und es gab einen großen Markt in Mitten des Städtchens. Es gab sogar eine Bäckerei und ein Teehaus. Aber am liebsten hielt ich mich in der Bibliothek am anderen Ende des Marktes auf. Dort gab Unmengen von Büchern und alle samt waren sie einzigartig. Ich saß stundenlang und las. Manchmal vergaß ich so die Zeit dass die Verletzten im Kloster sich schon richtig aufgeregt haben. Einmal hab ich mir einen Tag frei genommen und bin ins Teehaus um einen ungewöhnlichen Tee zu probieren. Er schmeckte interessant, jedoch wurde mir danach leicht übel. Ohne meinen Bauchschmerzen Beachtung zu schenken, gönnte ich mir einen langen Abend in der Bücherei und vertiefte mich in ein spannendes Buch über chinesische Magie und Geisterkunde. Ich saß bis tief in die Nacht und las darin. Irgendwann, so gegen 1.00 Uhr Nachts war ich so müde dass ich kaum noch meine Augen offen halten konnte, genauso wenig Kraft hatte ich das Buch zu halten und es fiel mir aus der Hand. Doch Moment Mal, es gab kein Geräusch beim Ankommen des Buches auf dem Boden. Ich sah verschlafen nach unten und meine Augen öffneten sich blitzartig. Das Buch schwebte einen Meter über dem Boden und fing an zu leuchten. Von ihm ging eine enorme Energie aus und schien alle Kraft der Umgebung in sich zu saugen. Auf einmal, hörte der Druck auf und das Licht lies nach, das Buch fiel zu Boden. Ich konnte mich vor Schreck kaum bewegen. Von dem Buch ging eine seltsame Aura aus, das spürte ich. Ich stand immer noch an der Wand gelehnt und konnte nicht einmal schlucken. Plötzlich fing die alte Lektüre wieder an zu leuchten und zwei Lichter kamen aus ihr herausgeschossen. Es waren zwei kleine, bläuliche, wolkenförmliche Lichtlein die total aufgedreht in der Luft umher wirbelten. Sie umschwebten mich und hüllten mich in ein warmes, angenehmes und strahlend weißes Licht. Sie schwebten mit mir nach oben durch das runde Loch in der Decke das zum Himmel führte. Wir flogen an Sternen vorbei bis hoch in die Wolken. Ich hatte irgendwie überhaupt keine Angst, obwohl ich mich normalerweise in großer Höhe etwas unwohl fühle. Oben angekommen setzten mich die zwei Seelen in eine große Wolke und vor mir erschien eine leuchtend helle Gestalt. Es war ein Engel, ohne Zweifel. Meine Augen fingen an zu leuchten und die Tränen stiegen mir in die Augen. Ich habe mir nie etwas sehnlichster gewünscht als einen wahren Engel zu sehen, da wurde mir mein Wunsch erfüllt. Er kam dichter an mich ran und ich konnte ein Gesicht erkennen. Der Engel reichte mir die Hand und lächelte: Nimm meine Hand ich zögerte etwas weil ich noch total unter Schock stand. Doch dann nahm ich die Hand und wir flogen noch höher bis wir am großen Tor waren. Als ich das sah wusste ich was um mich geschah. Der Tee kam mir von Anfang an komisch vor. Er war vergiftet! Ich war so zu sagen ermordet worden. Die Medizin war in dem Dorf noch nicht so weit erforscht dass jeder wusste welche Kräuter genießbar sind und welche durch deren Genuss tödlich wirkten.
Da waren wir nun, am Eingangstor zum Himmel. Der Engel zierte sich etwas, setzte mich ab und versuchte mir etwas zu erklären: Du bist also.. äh … gestorben. Du brauchst keine Angst zu haben.. ähm.. Sie versuchte geformt zu klingen aber sie war nervöser als ich. Ich find an zu grinsen und sagte: Du brauchst nicht elegant zu klingen, sag einfach was los ist. Sie sah erleichtert aus und fing an mich anzulächeln. Du bist hier im Himmel und wirst eine Ausbildung zum Engel machen, da du ja gestorben bist. Im Himmel ist es toll, ich kann dir alles zeigen! sagte sie zu mir, nahm meine Hand und flog mit mir los. Sie sagte mir dass sie Esther sei – Engel der Blumen. Sie zeigte mir ihr Paradies und viele tolle Sachen im Himmel. Ich bin Avril sagte ich zu ihr, Ich komme aus China. Ich liebe meine Heimat. Schade eigentlich dass ich nicht mehr dort bin. Aber was solls Familien hatte ich eh keine und Freunde auch nicht, außer ein paar Mönche…
Nach meiner Ausbildung wurde ich zum Engel der alten China, so konnte ich jeden Tag als Mensch getarnt nach China, die Menschen hüten und die Kultur bewahren. So war ich wieder in meiner Heimat. Die Geister die mich nach oben gebracht hatten, wurden zu meinen Waldgeistern die mich und die chinesische Natur schützten. Esther und ich wurden super Freunde und gewöhnten uns schnell an unser Leben im Himmel.
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